Ausflug in die plastische Chirurgie beim Pferd
Ihr werdet Euch sicherlich wundern, aber manchmal unternehmen wir auch als Pferdetierärzte einen Ausflug in die Schönheitschirurgie. Dies aber natürlich nur bei strenger Indikationsstellung und sicher nicht zur Unterstützung des Schönheitswahns in der Humanmedizin!
Kürzlich wurde uns ein sehr vielversprechender belgischer Springpferdehengst namens „Harry“, mit einer großen Umfangsvermehrung am linken Hinterbein (siehe Abbildungen unterhalb) in der Pferdepraxis Waldhausen vorgestellt. Nach einem Unfall auf der Hengstweide vor 2 Jahren, wo er sich das Bein im Zaun eingeklemmt hatte, wuchs diese Verdickung stetig an. Er war nicht lahm, aber das dicke Bein schien ihn im Bewegungsablauf zu stören und es war unmöglich ihn so auf einem Turnier vorzustellen.


Die netten Besitzer waren ziemlich verzweifelt, da sie sich schon mit mehreren Pferdechirurgen unterhalten hatten und keine Klinik eine Entfernung der Umfangsvermehrung wagen wollte. Im Ultraschall konnte man leider sehen, dass die Strecksehne vollständig mit der Zubildung verwachsen war und somit bestand der Verdacht, dass es sich um einen Tumor des Sehnengewebes handeln könnte. In einem solchen Fall kann es bei einer Operation zum vollständigen Abriss der Strecksehne kommen, was natürlich eine Katastrophe für „Harry“ bedeuten würde.
Nach einer genauen Voruntersuchung incl. labormedizinischen Tests und einem eingehenden Besitzergespräch wagten wir den Eingriff und entfernten die Zubildung höchst vorsichtig in einer Operation unter Vollnarkose. Glücklicherweise konnten wir den Tumor von der Strecksehne ab präparieren und somit die Stabilität erhalten. Wir sicherten das Bein zum Aufstehen aus der Narkose mit einem Fieberglas-Gipsverband, damit die geschwächte Sehne nicht durch die große Belastung rupturiert und damit die große Wunde optimal geschützt wurde. Das entfernte Gewebe schickten wir anschließend an ein spezialisiertes Labor zur pathohistologischen Untersuchung. Gott sei Dank konnte kein bösartiges Gewebe nachgewiesen werden!
Die Wundheilung verlief danach sehr gut (siehe Abbildungen unterhalb) und Harry durfte gestern mit vier schlanken Beinen und ohne Lahmheit seine Heimreise nach Niedersachsen antreten.


Wir hoffen, dass nun seiner großen Karriere als Springpferd nichts mehr im Wege steht und er von seinen Besitzern liebevoll und mit der nötigen Sorgfalt auf seinem Weg begleitet wird.
In diesem Sinne, bleibt uns auch weiterhin gewogen.
Eure Pferdepraxis Waldhausen