
Pferdepraxis Waldhausen
Fesselringbandoperation
Fesselringbandsyndrom beim Pferd – neue Operationstechnik
Beim Fesselringbandsyndrom des Pferdes kommt es durch eine Verdickung oder Einengung des Fesselringbandes zu einer Kompression und Schädigung der Beugesehnen in der Sehnenscheide. Therapeutisch stehen zunächst konservative Maßnahmen (z. B. Entlastung, Medikamente, lokale Injektionen) an erster Stelle, aber wenn diese nicht ausreichen, muss operiert werden.
Bisher stehen dafür zwei Operationstechniken zu Verfügung:
- Offene Durchtrennung
- Klassische Methode mit großem Hautschnitt über dem Fesselgelenk.
- Das Fesselringband wird unter Sicht mit dem Skalpell oder Schere durchtrennt.
- Vorteil: gute Übersicht
- Nachteil: große Wunde, schlechte Wundheilung, großes Infektionsrisiko, Instabilität im Fesselkopf.
- Minimalinvasive / endoskopische Durchtrennung
- Ein Endoskop wird in die Sehnenscheide eingeführt.
- Das Ringband wird über einen zweiten Hautschnitt mit einem speziellen, sehr scharfen Hakenmesser durchtrennt.
- Vorteil: kleine Hautschnitte, bessere Sicht auf Strukturen in der Sehnenscheide
- Nachteil: Gefahr von Verletzung der angrenzenden Strukturen und der Sehnen, Risiko von Verwachsungen.
Bei beiden Operationstechniken findet keine Therapie der Beugesehnen statt.
Deshalb haben wir uns eine neue Möglichkeit überlegt, welche die jeweiligen Vorteile der herkömmlichen Operationstechniken vereinigt, die jeweiligen Nachteile ausschließt und gleichzeitig eine moderne Sehnentherapie beinhaltet.
Wir führen die Operation des Fesselringbandes minimalinvasiv über lediglich einen kleinen Hautschnitt durch, der direkt am oberen Rand des geschädigten Fesselringbandes ausgeführt wird. Die vollständige Durchtrennung des Bandes erfolgt dann gedeckt unter der Haut mit einer abgerundeten Schere und kann digital kontrolliert werden. Das Fesselringband wird so ohne Kollateralschäden sicher durchtrennt und Verklebungen können schonend mit der abgerundeten Schere gelöst werden. Die Lokalisation des kleinen Hautschnittes ermöglicht eine spannungsfreie Wundheilung und die Stabilität des Fesselkopfes bleibt erhalten. Einer uneingeschränkten Belastung unserer operierten Patienten, auch im sportlichen Bereich, steht somit nichts im Wege.
Zusätzlich führen wir gleichzeitig eine regenerative Therapie der geschädigten Sehnen durch. Die mittels Brustbeinpunktion direkt gewonnen mesenchymalen Stammzellen zusammen mit den anderen Entzündungsmediatoren des Knochenmarks werden direkt in die defekte Sehne transplantiert.
Mit dieser Kombination der minimalinvasiven, gedeckten Durchtrennung des erkrankten Fesselringbandes in Verbindung mit der regenerativen Therapie des defekten Sehnengewebes können wir eine optimale Versorgung der Erkrankung „Fesselringbandsyndrom“ anbieten.
Übrigens konnten wir die Vorteile unserer neuen Operationstechnik schon bei über 100 erfolgreich geheilten Pferden unter Beweis stellen!
Bilder: Links vor der OP, rechts nach der OP