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Pferdepraxis Waldhausen

Luftaufnahme der Pferdepraxis

Pferdepraxis Waldhausen

Hans im Glück

Eigentlich war uns der „Hans“ lediglich zur arthroskopischen Entfernung eines Chips überwiesen worden, aber als er bei uns ankam, mussten wir erstmal um sein Leben kämpfen. Auf der Fahrt hatte er sich nämlich mit dem rechten Hinterbein in der Trennwand eines älteren Pferdehängers verfangen. Bei der Ankunft in unserer Klinik war er schweißgebadet, die Haut am Innenschenkel war zerfetzt, er blutete aus mehreren großen Gefäßen und der Knochen des Unterschenkels lag über ca. 15 cm frei und war deutlich angekratzt. „Hans“ hatte schon sehr viel Blut verloren und er befand sich deshalb in einem hypovolämischen Schockzustand. Sowohl der Fahrer des Fahrzeugs als auch die Besitzerin waren natürlich total aufgelöst.

 

Hans 1 Hans 2

 

Allein die Befreiung des panischen Pferdes aus seiner misslichen Lage erforderte viel Einfühlungsvermögen. Was uns dann aber erwartete, stellte uns doch vor eine schwierig zu lösende Aufgabe: Neben der stark blutenden Wunde mit großem Hautverlust erbrachte die röntgenologische Untersuchung, dass der Knochen des Unterschenkels auf einer größeren Länge auch noch angebrochen war.

Was ein Dilemma! Eigentlich hätte die schwer zugängliche, deutlich kontaminierte Wunde in Vollnarkose versorgt werden müssen, der Schockzustand von „Hans“ und der angebrochene Knochen schlossen dies aber strikt aus, da die große Gefahr bestand, dass der Knochen beim Aufstehen nach der Narkose vollständig brechen könnte.

Das hätte „Hänschens“ Todesurteil bedeutet!

Also entschlossen wir uns, nachdem wir seinen Zustand mittels Infusionen stabilisiert hatten, die Wunde ohne Vollnarkose im Stehen unter Standnarkose und entsprechender lokaler Betäubung mit angepasster Schmerzmedikation zu versorgen. Aber auch das war gar nicht so einfach, da „Hans“ aufgrund seiner großen Schmerzen nicht zu den kooperativsten Patienten gehörte, zumal sich die Lokalisation der Wunde auch noch in einer schlecht zugänglichen Körperregion am Innenschenkel befand.
Aber irgendwie schaffte es unser Chef dann doch die starken Blutungen zu stillen und die Wunde zu vernähen!

Aufgrund des angebrochenen Unterschenkelknochens wurde das Bein mit einem dicken Polsterverband unter Einbeziehung von stabilisierenden Gipsbinden so gut wie möglich geschient. Die erste Zeit verbrachte „Hans“ natürlich auf unserer Intensivstation, damit wir ihn 24 h überwachen und medizinisch versorgen konnten. Er kämpfte wie ein Löwe und allen Befürchtungen zum Trotz verheilte die Wunde zwar langsam, aber ohne gefährliche Wundinfektion und der angebrochene Knochen wuchs wieder glatt zusammen. Was ein Glück!

 

Hans 3 Hans 4

 

Zu unserer aller Freude durfte er gestern, nach einem vier monatigen Klinikaufenthalt, ohne bleibende Schäden die Klinik verlassen. Er ist uns allen während dieser langen Zeit mit vielen Höhen und Tiefen auch ganz schön ans Herz gewachsen!
Wir wünschen ihm alles Glück dieser Erde, auf dass er für den Rest seines Lebens keine solch gefährliche Situation mehr erleben wird.

In diesem Sinne, bleibt uns auch weiterhin gewogen!
Euer Team der Pferdepraxis Waldhausen