Zum Hauptinhalt springen

Pferdepraxis Waldhausen

Luftaufnahme der Pferdepraxis

Pferdepraxis Waldhausen

„Robin Hood“ hat einen Blasenstein

Der schöne Schimmelwallach „Robin Hood“, ein sehr erfolgreiches Springpferd, war zu uns gebracht worden, da er in letzter Zeit sehr häufig pinkeln muss, offensichtlich Schmerzen dabei hat und der Urin blutig gerötet ist. Sogar während des Trainings musste er zuletzt immer wieder anhalten und Harn absetzen.

Natürlich hofft man bei einem solchen Vorbericht, dass es sich „lediglich“ um eine akute Blasenentzündung handeln könnte, welche bei den männlichen Pferden nicht so selten vorkommt, da ja die „Intimpflege“ nicht so einfach durchführbar ist und deshalb von vielen Pferdebesitzern sträflich vernachlässigt wird.

Bei „Robin Hood“ war es aber leider nicht so einfach!

Natürlich erbrachte die zunächst durchgeführte Untersuchung des Urins eine Entzündung und bakterielle Besiedelung der harnableitenden Wege, aber diese Infektion hatte nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Bei der Ultraschalluntersuchung der Blase fiel uns nämlich ein hartes Gebilde im Blasenlumen auf, welches entweder ein Blasenstein oder ein Tumor sein konnte.

Beides sind beim Pferd selten vorkommende Erkrankungen, deren Therapie sich aber als sehr schwierig, wenn nicht unmöglich erweisen kann!

Bei der anschließenden endoskopischen Blasenspiegelung konnten wir dann eindeutig einen walnuss- großen Blasenstein mit unregelmäßiger, scharfer Oberfläche erkennen, welcher der Blasenwand schon große Verletzungen zugefügt hatte (Abb. 1).

Diese Erkenntnis stellte uns doch vor ein größeres therapeutisches Problem; während ein Blasenstein bei der Stute relativ einfach durch die kurze Harnröhre (Urethra) (5-10 cm Länge) entfernt werden kann, ist die Harnröhre beim männlichen Pferd viel länger (ca. 100-130 cm Länge) und hat auch noch ein sehr enges Lumen.

Man kommt da also nicht so einfach ran!

Als therapeutische Möglichkeiten werden die Zertrümmerung des Steins mittels hochenergetischen Stoßwellen oder die chirurgische, operative Entfernung des Steins mittels Eröffnung der Bauchhöhle genannt. Die Anwendung der Stoßwellentherapie birgt die Gefahr der Verletzung bzw. Perforation der Blasenwand, die chirurgische Therapie ähnelt einer Kolikoperation mit den entsprechenden großen Risiken. Also beides keine ungefährlichen Therapieoptionen!

Also überlegten wir uns einen dritten Weg: In der Humanmedizin gibt es spezielle Fanggeräte, mit denen endoskopisch Steine aus der Blase oder den Gallengängen ohne chirurgische Intervention elegant endoskopisch entfernt werden können. Diese sind aber für die Ausmaße unserer Patienten leider zu klein und viel zu filigran. Also ließen wir uns kurzer Hand von einer tollen Spezialfirma ein viel stabileres, großes Fangkörbchen herstellen, das auch für unser langes Pferdeendoskop passte.

Die große Frage war natürlich: Passt der Stein in das Spezialkörbchen und können wir ihn überhaupt in der großen Pferdeblase einfangen? Und dann noch: kann er durch den sehr langen Harnleiter entfernt werden?

Aber der Versuch war es uns wert, da die Alternativen mit viel mehr Risiko für das Leben von „Robin“ behaftet waren!

Gesagt getan: „Robin Hood“ erhielt eine tiefe Standnarkose mit angepasster Schmerzmedikation und zusätzlichen Medikamenten in hoher Dosierung, welche eine Erweiterung der glatten Muskulatur der harnableitenden Wege bewirken.

Und wir hatten Glück! Nach ein paar Versuchen konnten wir den Stein im Körbchen unter endoskopischer Sichtkontrolle einfangen (Abb. 2) und ihn “gaaaaaaanz vorsichtig“ durch die enge Harnröhre (Abb. 3) nach Außen befördern. Bei dieser Prozedur sind alle Beteiligten ganz schön ins Schwitzen gekommen, hätte doch ein Verlust des Steins in der engen Harnröhre eine sofortige Notoperation zur Folge gehabt.

Aber Gott sei Dank, das Spezialkörbchen hat gehalten und der Stein ist raus! (Abb. 4)

Jetzt mussten wir nur noch eine ausgiebige Spülung der Blase durchführen und die Bakterien mit einem speziell angepassten Antibiotikum bekämpfen.

Gestern wurde „Robin Hood“ wieder nach Hause entlassen, nachdem wir ihn noch ein paar Tage zur Überwachung in unserer Klinik behalten hatten. Sein anfänglich noch blutiger Urin ist jetzt wieder normal und er kann auch wieder ohne Schmerzen Wasser lassen. Was ein Glück!

In diesem Sinne, bleibt uns auch weiterhin gewogen!
Euer Team der Pferdepraxis Waldhausen



blasenstein 1 blasenstein 2 blasenstein 3 blasenstein 4



Bilder von links nach rechts

Abb. 1: da schwimmt der Lump!

Abb.2: gefangen im Stahlkörbchen!

Abb.3: da kommt er durch die enge Harnröhre!

Abb.4: da ist der Blasenstein