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Pferdepraxis Waldhausen

Luftaufnahme der Pferdepraxis

Pferdepraxis Waldhausen

Versorgung einer Kieferfraktur

Letztes Wochenende wurde uns diese 5-jährige Stute mit einem ziemlich „verbeulten“ Gesicht im Notdienst vorgestellt. „Ravenna“ hatte sich wohl auf dem Paddock mit ihrer Nachbarin gestritten und war beim Angiften mit ihren Schneidezähnen im Fressgitter hängen geblieben. Dabei hat sie sich drei Zähne aus dem Zahnfach gerissen und den Oberkiefer gebrochen. Das ganze Übel wurde bei der Röntgenuntersuchung in unserer Klinik erst richtig sichtbar.

Kieferfraktur 1 Kieferfraktur 2

 (Bild links: Vor der Behandlung; Bild rechts: Nach der Behandlung)

So eine Verletzung ist für die betroffenen Pferde natürlich schmerzhaft und sie sollte schnell versorgt werden, da der offen liegende, frakturierte Knochen immer stark verschmutzt ist und es deshalb zu einer gefährlichen Knocheninfektion kommen kann.

Wir versorgen solche Verletzungen normalerweise am stehenden Patienten unter Standnarkose und angepasster Schmerzmedikation mit einer zusätzlichen lokalen Betäubung der Wunde. Nach einer eingehenden, gründlichen Wundreinigung und -spülung werden die gebrochenen Knochenstücke und die verlagerten Zähne vorsichtig in ihre korrekte Position reponiert. Anschließend fertigen wir für „Ravenna“ eine spezielle „Zahnspange“ aus Draht an, welche dann den Kieferknochen und die Zähne in der korrekten Position fixieren. Über die Zahnspange formen wir dann noch eine schützende Kunststoffschiene, damit die Drahtenden der Zahnspange nicht das Zahnfleisch verletzen können und die ausgebrochenen Zähne optimal geschützt sind.

Kieferfraktur 3

Diese spezielle „Konstruktion“ wird dann bei unkompliziertem Verlauf für 6 – 8 Wochen im Pferdemaul belassen. Somit können die ausgebrochenen Knochenfragmente und die ausgerissenen Zähne in Ruhe und gut geschützt wieder stabil zusammenheilen.

Die Rehabilitationszeit darf „Ravenna“ natürlich zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung verbringen. Lediglich die Konsistenz des Futters sollte angepasst, das heißt nicht zu hart sein (keine Mohrrüben o.ä. abbeißen lassen) und es sollte während der Heilungsphase kein Druck auf die Kieferknochen durch das Einlegen von Gebissen o.ä. ausgeübt werden.

Die völlig aufgelöste Besitzerin von „Ravenna“ durfte natürlich bei der gesamten Operation zusehen und war überglücklich, als die Schneidezähne wieder stabil in einer Reihe standen und die Blutung gestillt war.

Jetzt hoffen wir, dass der weitere Krankheitsverlauf auch so problemlos abläuft wie die Operation, damit „Ravenna“ pünktlich zum Beginn der grünen Saison wieder im Dressurviereck starten kann.

In diesem Sinne, bleibt uns auch weiterhin gewogen!

Euer Team der Pferdepraxis Waldhausen